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Stimm- und Atemstörungen
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Sprachstörungen
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Stottern, Poltern

Redeflussstörungen - Stottern, Poltern

Beim Stottern handelt es sich um eine Redeflussstörung, die die verbale Kommunikation stark hemmen und beeinträchtigen kann. Es ist in unserer Gesellschaft leider mit Tabus, Ängsten, Scham und Vorurteilen behaftet.

Die Primärsymptomatik ist gekennzeichnet durch tonische (spannungsreiche) und klonische (durch Wiederholungen geprägte) Unflüssigkeiten. Sie treten im frühen Kindesalter bei 80% der Kinder physiologisch auf und klingen nach kurzer Zeit bei korrektem Umgang des Umfeldes wieder ab. Nur bei wenigen Kindern verschlechtern sich die Symptome, sodass sich ein chronisches Stottern manifestiert.

Die Ursachen für das Stottern sind vielfältiger Natur: Familiäre Sprachschwäche, das soziale Umfeld und dessen Umgang mit den Unflüssigkeiten, psychosoziale Gründe, neurologische und organische Schwächen, Traumata und andere Faktoren.

Vom Poltern sprechen wir, wenn bei zu schnellem Sprechtempo Silben verschluckt oder undeutlich artikuliert werden. Dem Sprecher ist dabei nicht bewusst, dass der Gesprächspartner ihn kaum oder nur mit Mühe versteht. Im Gegensatz zum Stottern verbessert hier die Konzentration auf das Sprechen die Symptome. Im Jugendlichen- und Erwachsenenalter hat der Stotternde meist schon über Jahre zahlreiche Umweg-, Vermeidungs-, Hilfs- und Aufschubstrategien entwickelt, die mit Sprechangst und Situationsvermeiden einhergehen. Zusätzliche Sekundärsymptome sind Abbrechen des Blickkontaktes, Stop-and-go

Mechanismen, Mitbewegungen, Körperhaltung, Wort- und Satzwiederholungen, etc.
In der Stottertherapie führen Ansätze im Bereich der Entspannung, der Wahrnehmung, der Atemregulation, der Vermittlung von Sprechtechniken der Desensibilisierung und Veränderung, sowie der Stärkung der Persönlichkeit und der sozialen Kompetenzen (methodenkombinierte Verfahren) dazu, dass der Stotternde aus dem Teufelskreis von Ursache und Wirkung herausfinden kann. So erwirbt er einen konstruktiven und spannungsfreien Umgang mit seiner Art zu Sprechen. Das Therapieziel ist nicht primär die Heilung vom Stottern, sondern vielmehr das Verändern der zentralen Charakteristika des Stotterns, und dessen Auswirkungen, um dem Patienten ein normales, angstfreies Leben mit seinem Stottern zu ermöglichen. Ist dies erreicht, nimmt die Symptomatik meist so sehr ab, dass der Leidensdruck minimiert ist und die Stottersymptome bestenfalls ganz verschwinden.

Nach Van Riper und Wolfgang Wendlandt sind die 4 bedeutenden Phasen der Stottertherapie die der Desensibilisierung,

Identifikation (genaue Analyse des Stotterns), der Modifikation (Veränderung der Symptome) und schließlich des Transfer (Übertragung des Gelernten in die Spontansprache). Das Pseudostottern, Nachbessern, der Pullout, Prolongierung, Anblasen, weicher Stimmeinsatz, Fluency-shaping und diverse Sprechmusterveränderungen sind nur einige wichtige Methoden, die ich anwende.
Sehr gute Erfahrungen habe ich bei stotternden Jugendlichen und Erwachsenen mit dem Stotter-Selbst-Management-Programm "SSMP" gemacht. Methodisch ist es von großer Wichtigkeit, das Tempo des Vorangehens an die Fortschritte des Patienten anzupassen. Dabei beziehe ich sehr früh die In Vivo Arbeit, d.h. die gemeinsame Arbeit außerhalb des Therapieraumes mit ein. Hierdurch erziele ich Veränderungen der Einstellungen und des Verhaltens, die zu dauerhaften Erfolgen führen und langfristig die Unabhängigkeit des Patienten vom Therapeuten fördern.

In der Logopädie wird davon ausgegangen, dass Stottern zumindest zum Teil eine erlernte Reaktion ist, und somit den Gesetzen des Lernens unterliegt. Als Stottertherapeutin finde ich daher mit jedem Patienten gemeinsam den für ihn individuell besten Ansatz, um das flüssige Sprechen zu verstärken und die Stottersymptome derart zu modifizieren, dass sie keine Störung im Kommunikationsverhalten mehr darstellen.

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